mobilesdorf jetzt auch in Willersdorf (Bayern) unterwegs

mobilesdorf, das Buchungsportal aus der Eifel hat nun auch in Bayern begeisterte Nutzer gefunden, genauer gesagt in Willersdorf, Gemeindeteil der Gemeinde Hallerndorf im oberfränkischen Landkreis Forchheim, die auf halber Strecke zwischen den beiden Städten Bamberg und Erlangen liegt. Dort hat die BioEnergieDorf Willersdorf eG zusammen mit mobilesdorf ein Carsharing-Projekt mit einem Elektroauto auf die Beine gestellt.

ECarsharing Willersdorf

(Foto: EKA Forchheim)

Das Jahr 2013 war für den kleinen Ort Willersdorf kein gewöhnliches Jahr, denn in diesem Jahr wurde hier die “Energiewende“ vollzogen. Was im großen Stil in Deutschland noch nicht so wirklich voran geht, wurde in dem oberfränkischen Dorf in nicht einmal zwei Jahren umgesetzt. Grundidee für die Umstellung auf regenerative Energien war dabei der Aufbau eines Nahwärmenetzes unter Einbeziehung der im Ort bestehenden Biogasanlage unter dem Dach einer BioEnergiedorf Willersdorf eG. Seit der ersten Info-Veranstaltung am 29. Februar 2012 bis zum Anschluss der ersten 18 Häuser an das Nahwärmenetz Ende Januar 2013 vergingen gerade mal 11 Monate.

Die Abwärme der bestehenden Biogasanlage, die bis dahin ungenutzt in die Luft ging, wird nun in ein Nahwärmenetz eingespeist, das ca. 4,5 km lang ist. Jährlich werden damit ca. 250.000 Liter Heizöl eingespart.Inzwischen werden über 80 Teilnehmer mit Wärme aus der Biogasanlage versorgt, das ist rund die Hälfte der 160 Häuser des 600 Einwohner-Ortes. Angeschlossen sind neben privaten Haushalten auch die Grundschule, der neue Kindergarten, drei Gastwirtschaften, ein Hotel und zwei Gewerbebetriebe mit Büro-/Lager- und Werkstattgebäuden. Auch das örtliche Pfarrhaus und das Sportheim sind einbezogen.

Außerdem werden in Willersdorf zahlreiche PV-Anlagen betrieben (36 PV-Anlagen; 1’100.000 kWp; Stand 2012).Darüber hinaus gibt es ca. 5 Pelletheizungen, ca. 5 Erdwärmeheizungen, ca. 5 Holzheizungen, ein Wasserkraftwerk (Mühle an der Aisch), ein Blockheizkraftwerk und eine Hackschnitzelheizung mit 200kW.

Seit Juli 2014 ist Willersdorf überdies offiziell anerkanntes BioEnergiedorf, also ein Dorf, das sich mit Strom und Wärme aus Biomasse versorgt bzw. das Ziel hat, den überwiegenden Anteil der Wärme- und Stromversorgung auf die Basis des erneuerbaren Energieträgers Biomasse umzustellen. Insgesamt gibt es in ganz Deutschland 176 anerkannte Bioenergiedörfer (s. www.wege-zum-bioenergiedorf.de).

Wilmersdorf wurde für seine Initiative im November 2014 mit dem Bürgerenergiepreis für Oberfranken ausgezeichnet, mit dem die Regierung von Oberfranken in Kooperation mit der Bayernwerk AG Energieprojekte in Bürgerhand würdigt. Denn das Projekt wurde durch eine rein private Initiative gestartet.

Buergerenergiepreis_Oberfranken_Willersdorf

(Foto: Bioenergiedorf Willersdorf eG)

Die Vorstände arbeiten unentgeltlich in der Verwaltung und managen auch den Netzbetrieb. Das technische, kaufmännische und verwaltungstechnische Wissen ist im Vorstand und Aufsichtsrat vorhanden. Auch auf die nötige Erfahrung im Projektmanagement kann man zurückgreifen. Das waren letztlich dann auch die Erfolgsfaktoren!

Im Sommer 2015 beschlossen die emsigen Macher der Energiegenossenschaft dann, ein eCarsharing Projekt für Genossenschaftsmitglieder und Bewohner von Willersdorf zu starten. Damit sollte Zweitwagenbesitzer die Möglichkeit geben werden, statt der Anschaffung eines neuen Zweitwagens, neben dem öffentlichen Nahverkehr individuell Carsharing zu nutzen.
Ein weiterer konsequenter Weg, zusätzliche regionale Projekte zu entwickeln, um CO2 durch ein E-Auto zu reduzieren und die Kosten für den einen oder anderen Zweitwagen einzusparen.

Es erfolgte die Beschaffung eines E-Autos Peugeot iOn. Außerdem wurde für dieses Fahrzeug eine Garage renoviert. Die Ladung des Fahrzeugs erfolgt zu 100 % aus Ökostrom, der von Naturstrom bezogen wird. Eine PV-Anlage mit Batteriespeicher auf dem Dach des Feuerwehrhauses ist in Vorbereitung (Quellen: www.bioenergiedorf-willersdorf.de; Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft auf der Internetseite www.wege-zum-bioenergiedorf.de)

Anfang des Jahres 2016 wurde der Kontakt zu mobilesdorf aufgenommen, um die Umsetzung des Carsharinprojektes über ein eigenes Buchungsportal im Internet zu ermöglichen. Die Internetseite www.willersdorf.mobilesdorf.de ist nunmehr freigeschaltet und ermöglicht es der Energiegenossenschaft, ohne großen eigenen Verwaltungsaufwand das Elektroauto für die Bürger zur Verfügung zu stellen.

Dieses Projekt wurde erst kürzlich ausgezeichnet: am 29. Juni wurde im Rahmen einer Feierstunde der EKA Preis 2016 vergeben, bei dem die Energie- und Klima-Allianz Forchheim private, gewerbliche und vereinsmäßige Initiativen und Projekte auszeichnet. Die EKA ist eine Initiative, die es sich zum Ziel gesetzt hat, im Landkreis gemeinsam mit einer möglichst breiten Palette von Mitstreitern die Lebensgrundlagen zu sichern und den Landkreis zukunftsfähig zu machen. Die BioEnergiedorf Willersdorf eG konnte sich im Rahmen dieser Preisverleihung, die vom Schirmherrn des Kreises, Landrat Dr. Hermann Ulm, in einer Feierstunde im Kulturraum St. Gereon in Forchheim an die Sieger vollzogen wurde, über einen Sonderpreis der Naturstrom AG freuen (Quelle: Energie- und Klima-Allianz Forchheim)

Die Naturstrom AG ehrte damit das BioEnergieDorf Willersdorf für sein besonderes Engagement für Energiewende und Klimaschutz: Die Willersdorfer hätten dieses Jahr einen nächsten Schritt, nämlich in Richtung „Verkehrswende“ getan und ein Elektroauto angeschafft, das nicht nur die Genossenschaftsmitglieder nutzen dürften, sondern jeder, der sich entsprechend registrieren ließe. Dieses Engagement bewertete der Vorstandsvorsitzende der Naturstrom AG, Dr. Thomas Banning, in seiner Laudatio als besonders preiswürdig.

P1020048-Willersdorf

(Foto: EKA Forchheim)

Mit dem Elektroauto leistet der kleine Ort einen weiteren Beitrag zur Energiewende…und das ganz ohne Prämie und öffentliche Förderung!

Ein beispielhaftes Engagement, das hoffentlich viele Nachahmer findet.